„nur glas ist wie glas“ -
Die Konkrete Poesie der Stuttgarter Schule
Mit Texten von Bense, Heißenbüttel, Döhl und anderen, vorgetragen durch das
Sprecherensemble der Akademie für gesprochenes Wort und von Timo Brunke
verknüpft. Konzeption: Daniel Klumpp
Textzusammenstellung und Regie: Daniel Klumpp
Stadtbücherei Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 2, Max-Bense-Saal
26.2.2010, 19.30 Uhr
Veranstaltet von der Akademie für gesprochenes Wort in Kooperation mit der
Stadtbücherei Stuttgart
Eintritt: € 10,- / ermäßigt € 5,-
Die Poesie, schreiben Bense und Döhl in ihrem Stuttgarter Manifest 1964, "ist heute kein Transportmittel mehr für zumeist fragliche ethische Inhalte, kein Rechtfertigungsvehikel mehr für weltanschaulichen Unfug. […] an die Stelle des Mystikers und metaphysischen Schwadroneurs ist der atheistische, also der rationale und methodische Autor getreten, dessen Augenmerk der Sprache, den Materialien gilt, derer er bei der Verfertigung seiner Reihen und Strukturen bedarf, die er methodisch handhabt." In dieser Über-zeugung hat sich die Stuttgarter Schule seit dem Ende der fünfziger Jahre dem literarischen Experiment gewidmet, das die Materialität der Wörter radikal bloßlegt und auf diesem Wege literaturwissenschaftliche Arbeit und Literaturproduktion verknüpft. Die Sprache der Dichtkunst, "die bis dato einer traditionell und historisch bedingten syntaktischen Folge Subjekt-Prädikat-Objekt folgte, hat sich material verselbständigt zugunsten neuer sprachlicher Strukturen, zugunsten neuer akustischer und/oder visueller Arrangements. [Es …] entsteht im wörtlichen Sinne eine Poesie der Wörter […]". Die revolutionäre Haltung findet ihren künstlerischen Ausdruck u.a. in Benses maschinell hergestellten hermetischen Gedichten und in den Stuttgarter Texten der Konkreten Poesie, deren theoretischer Unterbau Benses wissenschaftliche Forschungen an der Universität Stuttgart liefern. Das zweifellos bekannteste Gedicht der Stuttgarter Schule ist Döhls Apfel-Gedicht von 1965. Das gegenständliche ('konkrete') sprachliche Material (das Wort, die Silbe, der Buchstabe) wird aus seiner linguistischen und traditionellen literarischen Eingebundenheit herausgelöst, die serielle Wortfolge eines visuellen oder akustischen Textarrangements tritt an die Stelle von Metaphorik und Reim. Die Literatur wird hierdurch nach außen gewendet: Das Gedicht führt sein Material vor Augen.
Die wissenschaftliche und künstlerische Bedeutung der Stuttgarter Schule ist allzu lang vergessen worden. Nun vollzieht sich seit Jahren ein erfreulicher Prozeß der Wiederentdeckung, der durch die Veranstaltung der Akademie für gesprochenes Wort weiter vorangetrieben werden soll.
Anlässlich des 100. Geburtstages von Max Bense im Februar 2010 planen wir einen Abend, der sich ganz der Konkreten Poesie der Stuttgarter Schule widmen wird. Ohne Frage ist die Rezitation derartiger Gedichte eine beachtliche künstlerische Herausforderung, fast eine Unmöglichkeit. Das Sprecherensemble wird die Aufgabe durch eigene Hervorkehrungen der Materialität bewältigen (Inszenierungen, Solo- und Gruppenvorträge). Der Autor und Sprachkünstler Timo Brunke, der sich u.a. mit seiner 2007 uraufgeführten Sprachkomposition „Kommunikazumutung - Verzweit“ der Tradition der Stuttgarter Schule gestellt hat, wird die Darbietungen mit „heutigen Sprachsprengseln“ anreichern und kommentieren.
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